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(Bad Waldsee) - Mit der Planung der B30-Ortsumfahrungen bei Gaisbeuren und Enzisreute wurde im vergangenen Jahr ein Generalplaner beauftragt. Im Interview mit der Schwäbischen Zeitung äußerte sich Veit Mathauer, Geschäftsführer der Stuttgarter PR-Agentur Sympra, die mit der Öffentlichkeitsarbeit betraut ist.
Wer ist der Generalplaner?
Bei dem Generalplaner handelt es sich um eine Ingenieurgemeinschaft aus vier Ingenieurbüros unter Federführung der SSF Ingenieure AG in München. Die Bietergemeinschaft tritt unter der Bezeichnung „INGE B 30 OU E-G“ auf. Ziel ist es, unterschiedliche Fachkompetenzen – etwa in den Bereichen Straßen- und Tragwerksplanung, Umwelt oder Projektmanagement zu bündeln.
SSF zählt mit rund 400 Mitarbeitenden an mehreren Standorten zu den größten deutschen Ingenieurbüros und ist auf Verkehrsinfrastruktur, Brücken, Tunnel und Hochbau spezialisiert. Die beteiligten Büros verfügen über einen Bezug zu Baden-Württemberg – entweder über ihren Hauptsitz, wie BuP in Stuttgart, oder über wichtige Standorte und Projekte im Land. SSF arbeitet regelmäßig für Landesbehörden in Baden-Württemberg.
Was sind die größten Herausforderungen?
Die Planung gleiche einem Puzzle, so Mathauer: Jedes Teil müsse zum anderen passen. Ziel sei es, unter Berücksichtigung aller Rahmenbedingungen und Anforderungen – etwa Umwelt, Verkehr, Baugrund, Kosten und Flächenverfügbarkeit – die bestmögliche Lösung für alle Beteiligten zu finden. Das gelte sowohl für die Bürgerinnen und Bürger als auch für die Verkehrsteilnehmer.
Planungsstand
Im ersten Planungsjahr wurden Kartierungs- und Vermessungsarbeiten, Verkehrszählungen, faunistische Untersuchungen sowie Maßnahmen der Bürgerbeteiligung und Öffentlichkeitsarbeit gestartet. Dazu zählen Presseinformationen, eine neue Website und Informationen in sozialen Medien. Nach Angaben des Generalplaners liegt das Projekt im Zeitplan.
Derzeit befindet sich die Planung in der Vorplanung. In dieser Planungsphase werden mögliche Trassenvarianten untersucht und bewertet. Am Ende wird eine Vorzugsvariante festgelegt. Die Verkehrszählungen sind inzwischen abgeschlossen und die erhobenen Daten werden derzeit ausgewertet. Sie bilden eine Grundlage für die weiteren Planungsschritte und die Bewertung möglicher Trassenvarianten. Die Kartierungen laufen planmäßig noch bis zum Jahresende.
Bei den Kartierungen werden die örtlichen Gegebenheiten systematisch erfasst und in Karten sowie digitale Modelle übertragen. Dabei geht es unter anderem um Verkehrsinfrastruktur, Bebauung, Topografie sowie Umweltaspekte wie Flora, Fauna und Schutzgebiete. Diese Daten sind für die Entwicklung und Bewertung von Trassenvarianten, Umweltuntersuchungen oder die spätere Genehmigungsplanung wichtig.
Auf Grundlage der Umweltkartierungen werden die Auswirkungen des Artenschutzes auf die jeweiligen Varianten genauer bewertet. Die Ergebnisse der Verkehrserhebung dienen zudem der Kalibrierung des Verkehrsmodells für die Berechnung der Planfälle. Dabei fließen auch Daten des Prognosemodells 2040 zum Güterverkehr ein. Ziel ist es, die künftige Verkehrsentwicklung möglichst realitätsnah abzubilden. In den Planfällen wird untersucht, wie sich der Verkehr unter veränderten Rahmenbedingungen entwickeln könnte. Parallel dazu werden weitere Varianten geprüft, auch unter Berücksichtigung der Hinweise aus dem Beteiligungsprozess.
Wie läuft die Bürgerbeteiligung?
Noch bis zum 31. Mai 2026 können Interessierte Vorschläge, Hinweise und Meinungen zur Planung einreichen. Auf die Frage, wie viele Stellungnahmen bereits über die Internetseite eingegangen seien, erklärte Mathauer, bislang habe es mehr als 30 Eingänge gegeben. Diese seien von großer Sachkunde und hohem bürgerschaftlichem Engagement geprägt.
Zunächst gehe es darum zu erfahren, wie die Bürgerinnen und Bürger beteiligt werden möchten. Viele Beiträge enthielten jedoch bereits konkrete Wünsche und Vorschläge, etwa zur Linienführung oder zu Tunnelvarianten. Genannt wurden unter anderem Forderungen nach möglichst geringem Flächenverbrauch, Hinweise zu Umwelt- und Lärmschutz sowie Ideen zur besseren Anbindung von Straßen und Wegen.
Liegen Anwohner und Verkehrsteilnehmer falsch?
Die Schwäbische Zeitung fragte außerdem, ob Anwohner und Verkehrsteilnehmer mit ihrer Einschätzung falsch lägen, dass die Ortsumfahrungen künftig zu weniger Staus und Lärm führen würden.
Mathauer: Das Projekt verfolge mehrere gleichrangige Ziele: die Entlastung der Ortszentren vom Durchgangsverkehr, den Schutz der Anwohner vor Lärm und Schadstoffen, die Verbesserung der Verkehrssicherheit, die Stärkung der Leistungsfähigkeit der Nord-Süd-Verbindung B 30 sowie perspektivisch einen stabileren Verkehrsfluss ohne Staus in den Ortslagen.
Planungsdauer
Die Vorplanung werde mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Vor einem möglichen Baubeginn müssten zunächst die Entwurfsplanung und das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen werden. Wann tatsächlich gebaut werden könne, lasse sich derzeit noch nicht seriös abschätzen.[1] [2] [3]