13.01.2024 - 22:05 Uhr
Franz Fischer
Nr. 8496
121

Greenpeace behauptet: Straßenverkehr nimmt ab

(Berlin) - Für Umweltverbände ist die aktuelle Verkehrsprognose des Bundes unerträglich: Der Straßenverkehr müsse ab und nicht zunehmen. Eine Verkehrsprognose mit zunehmendem Verkehr lehnten sie beim Infrastrukturdialog des Bundes ab. Eine von Greenpeace in Auftrag gegebene Studie des Hamburger Prognos-Instituts stellt nun die Straßen-Ausbaupläne des Bundes in Frage. Die Studie geht nach Greenpeace-Kriterien davon aus, dass der Verkehr in Deutschland bis 2051 um 22 Prozent sinkt.

Forscher im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums waren dagegen im März zu dem Schluss gekommen, dass der Verkehr in Deutschland in diesem Zeitraum um knapp sieben Prozent wächst. Der bisherigen Prognose von Wissings Ministerium werfen die Hamburger vor, lediglich eine „Fortschreibung des Status quo“ zu betreiben. Bestehende Trends seien schön gerechnet.

Die Prognosen gehen weit auseinander, weil sich auch die Annahmen stark unterscheiden. So gehen die Hamburger Daten-Analysten etwa im Personenverkehr von einem auch nach der Corona-Pandemie anhaltenden Wandel der Mobilität und einer stärkeren Zunahme des Arbeitens im Home-Office und weniger Geschäftsreisen aus. Prognos geht auch von einer Pkw-Maut von fünf Cent je Kilometer auf allen Straßen aus, was die Bereitschaft der Deutschen senken würde, ins Auto zu steigen. Außerdem rechnen die Hamburger mit einer Einführung eines Tempolimits von 120 km/h auf Autobahnen und eine große Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene, um den Straßengüterverkehr massiv zu reduzieren.

Die Umweltverbände hinterfragen angesichts der neuen Prognose, ob der von Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) vorangetriebene Autobahnausbau überhaupt nötig ist. „Es braucht keinen zusätzlichen Meter Autobahn, sondern einen Verkehrsminister mit dem Willen zur politischen Veränderung“, sagte Marissa Reiserer, Mobilitätsexpertin von Greenpeace. Eine Entlastung des vorhandenen Straßennetzes ließe den Bedarf von Bundesfernstraßen hinfällig werden. Der CO2-Ausstoß im Verkehr würde sinken, die Natur vor weiterem Straßenbau geschützt.

Benedikt Heyl, Datenanalyst der Dachorganisation „Transport and Environment“, die sich für nachhaltigen Verkehr einsetzt, kritisiert die politischen Entscheidungen im Verkehrssektor. „Das der Verkehr hierzulande immer weiter ansteigt, ist eine politische Entscheidung von Volker Wissing – keine wissenschaftliche Selbstverständlichkeit“.

Das Verkehrsministerium wies die Kritik zurück. Die eigenen Prämissen seien stimmig und von Expertenseite ausreichend abgesichert. Der Verkehr werde „in Deutschland in jeder Hinsicht zunehmen“, sagte ein Sprecher. Damit die Verkehrsinfrastruktur den Anforderungen gerecht werde, „brauchen wir den Ausbau und Investitionen in alle Verkehrsträger - Schiene, Straße und Wasserwege“.


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